"Mobbing formt den Charakter"



Wie ich es erwartet hatte gab es nicht nur positives und zustimmendes Feedback auf meinem Post "Ich war hässlich, dumm und scheiße", sondern auch einen negativen Kommentar. Ich habe die Person nach ein paar Äußerungen aber ignoriert, da ich sonst ausfällig geworden wäre. Der genaue Wortlaut ist mir entfallen, aber er schrieb Sätze wie "Kinder, lasst euch mobben, das stärkt den Charakter". Er schrieb auch, dass er eher zu den beliebten Schülern gehöre. Ich habe mir über den Satz Gedanken gemacht, so wie ich mir eigentlich über sehr sehr vieles Gedanken mache. Diese Gedanken möchte ich nun gerne mit euch teilen.

Ich war früher ein sehr schüchternes, zurückhaltendes, fröhliches und lebensfrohes Mädchen. Das durch das Mobben noch zurückhaltender, verstörend, selbstkritisch, depressiv, zerbrechlich und "frei" wurde. Frei in Anführungszeichen, da ich in mir selbst gefangen bin, aber nicht mehr gefangen in der Welt wie andere sie gerne haben wollen. Man hört und liest oft "ich wurde gemobbt" und das wars. Was mal war, war grausam aber was jetzt ist, was mobben mit dem eigen Leben macht steht nirgendwo. Mein Leben ist sicherlich von Außen betrachtet sehr geborgen und einfach. Ich lebe bei meiner Familie in einem Haus, sehe meine Großeltern mindestens einmal in der Woche, habe wunderbare Freunde und gehe meinen Hobbys nach. Das ich dieses einfache Leben leider nicht lebe ist jetzt wohl nicht so eine große Überraschung. Ich habe viele Ängste und kann einige Dinge, die für andere Menschen normal ist nicht tun. Ein Beispiel ist: Telefonieren. Ich kann es einfach nicht bzw. erst nach sehr sehr langem überreden meinerseits. Es sieht so aus, dass ich stundenlang (nicht übertrieben) vor meinem Telefon sitze und mit mir selbst rede. "Du rufst da jetzt an, das ist wichtig". "Nein, ich kann nicht, was ist wenn ich gerade anfange zu stottern oder ich unsicher bin? Nein ich rufe da nicht an". "Doch, du musst es tun". "Nein, ich kann aber nicht". Ich will es, aber kann es nicht. Oftmals nimmt meine Mama mir es ab oder ich lasse es bleiben und lüge, dass ich es getan hätte. Und dabei ist es nur ein banaler Anruf beim Arzt. So ist auch bei dem bewerben für einen Job/Ausbildungsplatz sehr schwer für mich. Im Grunde das gleiche, auch wenn es geschriebener Text ist. Ich denke schon, dass ich gut schreiben kann, aber wenn es um eine Bewerbung geht verlässt mich der Mut und ich denke nur daran, dass ich ungenügend bin und sie mich eh nicht wollen. Meistens lasse ich es. Ich bin seit ungefähr 2 Jahren arbeitslos. Nicht weil ich faul bin, sondern weil ich es einfach nicht auf die Reihe bekomme mal was dafür zu tun. Ich möchte ja, ich möchte mein eigenes Geld verdienen, mal ausziehen und vielleicht mal etwas teures kaufen von meinem selbst verdienten Geld. Aber im Moment sehe ich da noch keine Zukunft.

Aber um auf die Frage zurück zu kommen "Formt mobben den Charakter?". Natürlich formt mobben den Charakter. Ich war früher ganz anders. Sicherlich hätte ich mich anders entwickelt und wäre vielleicht nicht so "frei" wie jetzt, aber ob das nun gut ist, wie es jetzt ist bezweifle ich doch stark. Ich verarbeite Dinge anders als früher. Um jetzt einmal positive Dinge zu nennen. Ich vertraue fremden Menschen Dinge an, die andere nicht mal ihrer besten Freundin sagen würden. Diese Eigenschaft habe ich in der Therapie gelernt. Man soll Dinge, die einem beschäftigen aus dem Kopf hinaus in die Welt bringen, sagen, schreiben, was auch immer. So kann der Gegenüber besser mit der Situation umgehen und mich besser einschätzen. Ich bin direkter geworden, sage und schreibe meine Meinung, auch wenn sie nicht immer positiv ist. So lässt sich Hoffnung, die andere Menschen haben schnell in Klarheit verwandeln. Ich bin einfach ein offenes Buch geworden. Weine, wenn ich weinen will, gehe, wenn ich gehen will und das überall, auch eben in der Öffentlichkeit. Dadurch biete ich natürlich auch eine größere Angriffsfläche. Menschen können Details, die ich ihnen erzähle gegen mich einsetzten und mich somit natürlich mehr verletzten, als wenn sie nur wenig über mich wissen. Aber dieses Risiko gehe ich ein, einfach weil ich es nicht anders kann. Ich bin ehrlich und offen. Das ist nun mal so. Deshalb ist dieser Blog mir auch sehr wichtig, weil ich über Dinge schreiben kann, die mich beschäftigen. Er ist wie eine kleine Therapie.

Mobben formt den Charakter. Oh ja. Es formt den Charakter schlechter aber auch besser. So würde ich sagen, wie eigentlich alles im Leben. Jede Erfahrung stärkt oder schwächt einen. Ich empfehle es euch nicht euch absichtlich in die Opferrolle zu stellen, nur damit euer Charakter geformt wird, so wie der Herr bei Facebook, es den anderen empfohlen hat.

Wie seht ihr das? Könnt ihr positive Eigenschaften finden, die ihr nach schweren Zeiten neu dazu erlangt habt? Und das nächste Thema wird fröhlicher, versprochen : )

Kommentare:

  1. "Kinder. lasst euch mobben..."??? Was war n das für n Assi??? Und: warum sind Assis oft so beliebt?? Was läuft falsch in dieser Welt??? Ich könnt solchen Leuten einfach mal eine klatschen, damit sie mal aufwachen :(
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

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  2. Ich hab das mitbekommen, aber glaube auch, dass er das anders meinte. du hast natürlich recht bei dem was du schreibst, aber wenn ich das jetzt mit mir vergleiche ist es doch ein wenig anders. Die probleme habe ich mit dem telefonieren übrigens auch, aber ich versuche mich immer wieder zu überwinden. es kommt glaube ich auch auf jeden Menschen an sich an. Ich wurde auch mal ziemlich krass gemobbt. es ging mir ziemlich schlecht damit, aber du kennst mich ja ... ich kann einfach nicht aufgeben. Ich habe kontern gelernt und mich gewehrt. Habe mir viele 'Verteidigungen' beigebracht und mittlerweile auch den nötigen Respekt. Meinen Charakter hat es schon ziemlich geformt. Ich bin stärker, als ich es jemals schon war. Ich meine, wessen leben ist das denn? Ich muss für mich selbst da sein, denn ich habe mich nun mal mein ganzes Leben lang am Hals. Und ich will nicht, dass jemand schlecht von mir redet. Du musst dir das wie einen Wegbegleiter vorstellen. Bei mir ist das Shanty. Wenn die arme Stefanie gemobbt wird, dann kommt Shanty halt und beschützt sie und wehrt sich. Klappt ganz gut. (;

    Liebe Grüße <3

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  3. Hallo Kuchenkind,
    ich gebe Dir Recht mit dem "frei sein", es ist gut das zu tun was man will oder fühlt. Aber das Beispiel mit "ich gehe, wenn ich gehen will" finde ich nicht immer passend. Dann wer nach der Regel lebt, dem ist es auch einfacher Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Man muss und soll sich nicht auf jede Diskussion einlassen. Aber auf einige die Dir selbst sehr wichtig sind und die du selber bemängelst solltest du das schon.

    Beschäftige dich intensiv mit den Themen die Dir besonders zusetzen und berate dich nicht nur mit einer psychologischen Hilfe, sondern Menschen die dir nahe stehen. Es bringt nichts zu sagen dies und jenes passt mir nicht. Ich lasse es. Man muss auch mal durchhalten um zum Ergebnis zu kommen.

    Das Thema Mobbing ist je nach Lebensentwurf sicher ein Bestandteil mit dem man sich auseinandersetzen muss, aber schreib doch auch mal über andere Dinge über die Du nachenkst. Nicht nur für Dich persönlich, sondern auch die Qualität des Blogs nimmt ab, wenn du auf einer Stelle trittst und nur noch über Mobbing redest. Nicht das u as tust, das ist ja erst der 2. Post in Folge. Aber achte darauf, dass du dich nicht darin verrennst.

    Liebe Grüße
    Miss Higgins

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    1. Das macht sie doch erst zum 2. Mal! Darf man schon ein Thema auf einem Blog nicht 2mal ansprechen??
      Hallo Friede Freude Eiekuchen :)
      lg
      Esra


      http://nachgesternistvormorgen.de/

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    2. "Nicht das du das tust, das ist ja erst der 2. Post in Folge."

      lesen hilft!

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  4. Dein Text spricht mir grade extrem aus der Seele... eigentlich hätte ich den Text sogar schreiben können. Wurde in der Schule auch gemobbt und zwar so sehr dass ich die 9. Klasse abgebrochen habe und von der Schule gegangen bin. Habe auch extreme Probleme mit dem telefonieren und mache es nur wenn es wirklich unbedingt sein muss. Ich finde nicht dass mich die Mobberei positiv beeinflusst hat oO was ist das für ein Vollassi der sowas behauptet? Könnte mich grade wirklich darüber aufregen... -.- Ich bin auch schon länger arbeitslos (ok hatte immer kleinere Jobs aber habe noch keine Ausbildung), habe Depressionen und manchmal Suizidgedanken und ja, das hat auch viel mit der Mobberei von früher zu tun. Also kann ich nicht begreifen wie dumm man sein kann um zu behaupten dass Mobberei den Charakter stärkt... ABSOLUTER SCHWACHSINN!!!! -___-

    Trotz allem sehr guter Post :)

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  5. Über solche Leute könnte ich mich immer aufregen... klar, wenn man es selbst noch nicht erlebt hat kann man viel behaupten. Mag sein, dass Mobbing den Charakter formt - allerdings in den meisten Fällen negativ. Es mag auch sein, dass man stärker durch das Mobbing wird, jedoch wird man vielleicht selbst zu einem Menschen, den man selbst hasst?!

    Über das Thema kann man sich ewig streiten - aber es ist klar, dass so etwas eine hohe physische wie auch psychische Belastung ist. Ich bin da kein Experte, aber selbst für einen noch so starken Menschen ist so eine Belastung zu viel und das endet nie gut.

    Liebste Grüße,
    Flo

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  6. Es hat zwar nicht direkt etwas mit Mobbing zu tun, aber ich glaube dass Betroffene mit der Zeit sensibler und damit meiner Ansicht nach reifer im Umgang mit und in der Wahrnehmung von anderen Menschen werden. Schau mal hier rein, vielleicht fühlst du dich hier ja wohl: www.treffpunkt-hochsensibilität.de

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